Elfenbein oder Ebenholz am Schachbrett: Gemeint sind die Figuren. Jahrhundertelang setzten Prestigespiele weiße Figuren aus Elfenbein gegen schwarze aus Ebenholz. Das Elfenbein wurde später vom günstigeren und schließlich allein zulässigen Buchsbaum abgelöst, während Ebenholz das Referenzholz der schwarzen Figuren blieb, nachgeahmt durch ebonisierten Buchsbaum.
Die Wendung begegnet einem oft in Kreuzworträtseln: „aus Elfenbein oder Ebenholz am Schachbrett“. Je nach Zahl der Kästchen lautet die Lösung etwa BAUER oder FIGUR. Hinter dem Rätsel steht eine echte Materialgeschichte: die eines Kontrasts zwischen kostbarem Weiß und tiefem Schwarz, den die Hersteller mit immer leichter erhältlichen Hölzern nachgebildet haben.
Elfenbein oder Ebenholz am Schachbrett: der Ursprung des Kontrasts
Die Regeln verlangen zwei klar unterscheidbare Parteien. Bei einem Luxusgegenstand lag es nahe, dafür zwei von Natur aus gegensätzliche Materialien zu verbinden: das cremeweiße, dichte und angenehm weich wirkende Elfenbein und das Ebenholz, dessen Schwarz nur wenige Hölzer erreichen. Dieses Paar findet sich in vielen alten Spielen in Museen und hat die Vorstellung von Weiß und Schwarz im Schach dauerhaft geprägt.
Elfenbein war ebenso teuer, wie es empfindlich auf Feuchtigkeit reagierte. Schon im 19. Jahrhundert nahmen deshalb die meisten Spiele, die zum Spielen gedacht waren, für Weiß ein helles Holz, den Buchsbaum. Die ersten Staunton-Spiele, die 1849 in London in den Verkauf kamen, gab es in Buchsbaum und Ebenholz, gelegentlich auch in Elfenbein. Heute ist der Handel mit Elefantenelfenbein in Frankreich (Erlass vom 16. August 2016 und Folgetexte) wie in der Europäischen Union sehr streng geregelt: Der Buchsbaum hat die Nachfolge endgültig angetreten.
Sie besitzen ein altes Spiel aus Elfenbein und fragen sich, ob Sie es verkaufen dürfen? Diese Frage behandelt unsere Seite zu den historischen Figurenstilen mit einem Verweis auf einen ausführlichen Artikel zur Rechtslage.
Ebenholz: das natürliche Schwarz
- Ebenholz
- Sehr dichtes und sehr hartes Kernholz mehrerer Bäume der Gattung Diospyros, schwarz oder schwarzbraun, das sich so hoch polieren lässt, dass es ohne Lack glänzt. Das Gabun-Ebenholz und das Makassar-Ebenholz sind die bekanntesten.
Das Gabun-Ebenholz (Diospyros crassiflora), das in Zentralafrika geerntet wird, ist das schwärzeste, fast ohne sichtbare Maserung. Seine mittlere Dichte beträgt etwa 955 kg/m³, seine Janka-Härte liegt über 13.000 Newton, es zählt also zu den härtesten Hölzern, die für Figuren verwendet werden. Die Art steht auf der Roten Liste der IUCN.
Das Makassar-Ebenholz (Diospyros celebica) stammt von Sulawesi in Indonesien, ist braun und rehbraun gestreift. Mit etwa 1.120 kg/m³ ist es noch dichter und wird vor allem für Furniere von Brettern und für Zierspiele eingesetzt. Die IUCN stuft es als gefährdet ein.
Beide Holzarten stehen nicht in den CITES-Anhängen, im Gegensatz zu den Ebenhölzern Madagaskars, die seit 2013 in Anhang II geführt werden. Ihre Seltenheit und ihr langsames Wachstum erklären den Preis von Spielen aus massivem Ebenholz.
Warum sind die schwarzen Figuren aus Ebenholz?
Dafür gibt es drei Gründe. Erstens die Farbe: Kein anderes Holz bietet von Natur aus ein so klares Schwarz. Zweitens das Gewicht: Eine Figur aus Ebenholz ist von Natur aus schwerer als eine gleich große aus Buchsbaum, was ihre Standfestigkeit verbessert. Drittens die Haltbarkeit: Die Härte des Ebenholzes erhält die Feinheit der Profile und der Turmzinnen. Sein Nachteil ist die Neigung zu reißen, wenn es zu rasch trocknet oder starken Feuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt ist; darum sind gut stabilisiertes Holz und eine passende Aufbewahrung wichtig (siehe Pflege eines Holzschachspiels).
Buchsbaum: das Weiß, das zum Standard wurde
Der Buchsbaum (Buxus sempervirens) hat bei den weißen Figuren den Platz des Elfenbeins übernommen. Seine äußerst feine Maserung eignet sich für Details, seine Dichte (etwa 965 kg/m³) steht der des Ebenholzes nicht nach, und seine helle Farbe entwickelt eine honiggelbe Patina. Weil der europäische Buchsbaum lange im französischen Jura verarbeitet wurde, ist er eng mit der Geschichte der Drechsler rund um Saint-Claude und Dortan verbunden (siehe Saint-Claude und der Jura).
Was ist ebonisierter Buchsbaum?
- Ebonisierter Buchsbaum
- Schwarz gebeizter Buchsbaum, der Ebenholz nachahmt. Er wird für die schwarzen Figuren günstigerer Spiele verwendet: gleiche Dichte und gleiche Feinheit der Drechselarbeit wie bei den weißen Figuren, bei deutlich geringeren Kosten als massives Ebenholz.
Beim Ebonisieren wird das Holz mit einem schwarzen Farbton durchtränkt und danach veredelt (Lack, Mattlack oder Wachs), um die Farbe zu fixieren. Sauber ausgeführt, entsteht ein tiefes, gleichmäßiges Schwarz. Aus der Nähe erkennt man es daran, dass die Buchsbaummaserung manchmal unter der Beize durchscheint, und an der Kante der Standfläche, die mitunter heller ist. An den Kanten kann es sich nach Jahren intensiven Spielens abnutzen; das ist kein Mangel, sondern Patina.
| Kriterium | Ebenholz | Ebonisierter Buchsbaum |
|---|---|---|
| Farbe | Natürliches Schwarz, gelegentlich braun gemasert | Gebeiztes Schwarz, gleichmäßig |
| Gewicht | Schwer, oft mehr als die weißen Figuren | Wie die weißen Figuren aus Buchsbaum |
| Aussehen poliert | Natürlicher Glanz | Hängt von der Oberflächenbehandlung ab |
| Alterung | Farbstabil; rissempfindlich | Die Beize kann sich an den Kanten abnutzen |
| Kosten | Hoch | Moderat |
Jaques of London und das Paar Buchsbaum und Ebenholz
Das Londoner Haus Jaques, das 1849 die ersten Staunton-Spiele fertigte, machte das Turnierspiel aus Buchsbaum und Ebenholz, beschwert und befilzt, zum Vorbild. Wie dieses Modell entstand und wie es sich weltweit verbreitete, erzählt unsere Seite zum Staunton-Design. Wer das Paar aus Buchsbaum und Ebenholz an heutigen Modellen sehen möchte: Das Palais des Échecs zeigt Staunton-Figuren aus Buchsbaum und Ebenholz samt ihren Varianten aus ebonisiertem Buchsbaum.
Fazit: ein Paar mit Geschichte
Aus dem Gegensatz von Elfenbein und Ebenholz wurde der von Buchsbaum und Ebenholz, und wo Ebenholz zu selten oder zu teuer ist, tritt der ebonisierte Buchsbaum an seine Stelle. Wer ein Spiel kauft, sollte daher nachlesen, welche der beiden Varianten gemeint ist: Das Schwarz kann natürlich oder gebeizt sein, und davon hängen Gewicht, Preis und Alterung ab.
Häufig gestellte Fragen
Elfenbein oder Ebenholz am Schachbrett: wie lautet die Antwort?
Gemeint sind die Schachfiguren: Die weißen waren traditionell aus Elfenbein, die schwarzen aus Ebenholz. In Kreuzworträtseln hängt die Lösung von der Buchstabenzahl ab (BAUER, FIGUR …).
Warum sind die schwarzen Figuren aus Ebenholz?
Weil Ebenholz das einzige gängige Holz mit einem so klaren natürlichen Schwarz ist, dazu sehr dicht (Standfestigkeit) und sehr hart (scharfe Profile). Ebonisierter Buchsbaum ahmt es günstiger nach.
Was ist ebonisierter Buchsbaum?
Das ist schwarz gebeizter Buchsbaum, der Ebenholz nachahmt. Er hat dieselbe Dichte wie die weißen Figuren aus Buchsbaum und ergibt ein gleichmäßiges Schwarz zu einem deutlich niedrigeren Preis als massives Ebenholz.
Quellen: Rote Liste der IUCN und The Wood Database (Ebenhölzer, Buchsbaum), CITES (CoP16, 2013), Légifrance (Erlass vom 16. August 2016 zu Elefantenelfenbein), Wikipedia (französisch): Jeu de pièces d'échecs Staunton.
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